Dienstag, 7. August 2012

Butting

Lange war ich am Grübeln. Habe hin und her überlegt. War in Berlin bei einer unglaublich teuren, komplexen Berufsberatung mit Begabungsanalyse. Nichts konnte so richtig helfen. Ich war immernoch arg unentschlossen und verwirrt.
Doch nun habe ich eine Entscheidung getroffen. Ich konnte mich endlich durchringen und glaube, dies ist das Richtige für mich:
Ich werde Profi-Packer bei Butting!!

Alles begann mit einer Panikreaktion vor ungefähr sechs Wochen. Ich war auf der Suche nach etwas, womit ich mich die nächsten drei Monate beschäftigen könnte und wenn man in Knesebeck wohnt und nicht besonders kreativ ist, dann arbeitet man in den Ferien bei Butting. Ich rief also an und fragte nach einem Nebenjob, aber sie wollten mir nur einen Ferienjob geben und setzten mich auf die Warteliste. Vor drei Wochen dann der Anruf:
-"Sie sind nachgerückt und fangen Montag an."
Woop Woop! Ich habe einen Job!
-"Ach und für die Ausrüstung müssen sie selber aufkommen"
Ausrüstung?
"Ja sie benötigen Stahlkappenschuhe."
WTF?!

Am folgenden Montag stand ich dann mit meinen neu erworbenen Stahlkappenschuhen im Lager und Versand der Firma Butting. Alle starrten mich an. Was ist da los? Hab ich mich etwa bekleckert? Kurz die Umgebung abgesucht und mir war klar: Ich war das einzige weibliche Wesen in der gesamten Halle.
Okay. Egal das krieg ich hin. Ich bin mit zwei älteren Brüdern groß geworden.
-"Judith du arbeitest mit Enrico"
-*pfeifen*johlen* "War ja klar das du die Frau kriegst"
Mhh oder vielleicht doch nicht?!

Zwei einhalb Wochen später steht fest: der Job ist echt spaßig. Hat man sich erstmal an die Sprüche gewöhnt ("Der muss stinken", "Steck ihn rein. *grinsen* Also jetzt das Band ne", "Binden. Wie bei euch Frauen", "Aach brauchst doch nicht rot werden.") und sieht man darüber hinweg, dass mir die Jungs des Öfteren nicht ins Gesicht gucken, sondern sich ihr Blick etwas weiter nach unten verirrt, sind es doch alles liebe Menschen mit denen man viel lachen kann, sodass die körperlich doch recht schwere Arbeit leicht fällt.

Ich jedenfalls denke mir so: Australien? Quatsch wer will denn da hin? Studieren? Neee ich mach ne Lehre bei Butting, wohn zu Hause, werde Profi-Packer und bleibe mein Leben lang in Knesebeck. Klingt nach einem unkomplizierte und entspannten Leben...

Aber irgendwie dann doch ein wenig eintönig oder?
Nee dann doch lieber President of the United States of America....

Montag, 9. Juli 2012

Paris in Bildern und Worten

 Das Hostel:
Relativ gute Lage in Monmartre mit Blick auf die Sacre Coeur. Über Monmartre gibt es geteilte Ansichten, ist es doch Künstler- und Rotlichtviertel zugleich. Bei einem sind sich alle einig: Es ist ein schönes Quartier, nur sollte man nicht unbedingt nachts darin herumwandern. Blöd nur wenn um 2 Uhr morgens keine Metro mehr fährt, man zwei Stationen zu Fuß laufen muss und sich verläuft...
Das Hostel selbst bietet alles was man von einem echten Hostel erwarten kann inklusive Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Ohne Ohropax nur schwer aushaltbar. Und Achtung, die Waschbecken auf den Zimmern haben einen offenen Abfluss, der gerne Perlenohrringe frisst...


Die Sacre Coeur ist eine wunderschöne Kirche, von der aus man einen wunderschönen Blick auf Paris hat.

Das Louvre: Es ist riiiesig. Da wir sehr früh da waren, kamen wir auch echt fix rein, mussten dann aber ziemlich lange nochmal am Ticketschalter stehen, nur damit uns der Typ erzählen konnte, dass wir ja als EU-Bürger unter 25 mit Perso eigentlich gratis reinkommen. Drinnen ließen wir uns dann vom Menschenstrom zu la Joconde treiben und ich stürzte mich auch gleich ins Gedrängel um ein schönes Foto zu knipsen. Es ist unglaublich wie scheinbar reife, erwachsene Menschen zu Buskindern mutieren wenn es um italienische Renaissance Kunst geht...

Eine Seine Rundfahrt musste natürlich auch sein. Wir haben ganz viele schöne Ponts gesehen, allerdings nicht die Pont Mirabeau über die es ja so viele Lieder gibt. Soo besonders kann sie ja dann nicht sein...

 Notre Dame: Ein beeindruckendes Bauwerk mit einer beeindruckend langen Schlange davor. Darum nur die Außenaufnahme.

 Das Eis: Der Hammer!! Dattel-Zimt mit Nutella zu einer Blüte geformt. Eindeutig das coolste Eis, das ich je gegessen hab.

Den Eifelturm sollte man unbedingt bei Nacht besteigen. Und am besten noch mit einer Flasche Champagner um fabelhafte Abi-Ergebnisse zu feiern.

 Das Moulin Rouge... Oh là là

Auf der Champs Elysées kann man mit viel Geld bestimmt viel Spaß haben. Ohne aber auch.

 Das Centre Pompidou find ich eigentlich noch cooler als das Louvre. Tolle Austellungen von Matisse und Gerd Richter und ein sehr abstrakter und moderner Kunstfilm, dessen Message ich nicht ganz kapiert hab... war trotzdem unterhaltsam.
Das Café des 2 Moulins: Hier wurde Amélie gederht. Sieht auch wirklich genauso aus. 

Fazit: Wundervolle Stadt. Paris hat es tatsächlich geschafft London als meine Lieblingsstadt zu verdrängen. Scones und Shortbread müssen hinter Crêpes und Croissants zurück stehen. 

Montag, 25. Juni 2012

Charlie Carver?!

On the train again. Yes, I've been writing a lot about trains lately but I'm pretty sure that's gonna be my last post about those bloody things for now. Right, so I was on the IC to Berlin and as to be expected I was really annoyed cause I had had loads of trouble AGAIN with changing trains due to several delays and the lacking competence and friendliness of the Bahn's staff. Additionally the train was stuffed to the top with VW people with matching t-shirts which was why I didn't get a seat and had to stand.
Standing there in a really bad mood I saw some guys that were standing not very far from myself and I started thinking that I had seen one of them before. He really looked like Porter Scavo in Desperate Housewives. They started speaking English with an American accent which supported my assumption but I didn't dare asking him so I kept staring at him for quite a while. At some point, however, I kind of forced me. Blushing and with a trembling voice I asked:
- Are you from America?
- Yer.
- Are you an actor?
- Yer.
- Can I take a picture with you?
- Sure!
Wow! That was so amazing! I had in fact met Charlie Carver on the IC in Germany. How cool is this?
And he and his friends were actually really nice, chatting with me for the rest of the ride. So when I got of the train with them at Berlin central station my cousin picked me up and asked:
- Oh, you brought some friends?
- Well... yer, sort of...

So maybe taking the train isn't that bad after all... ;) 




Mittwoch, 20. Juni 2012

Die Bahn

Auf nach Paris! Die Stadt der Liebe, der Eifelturm, das Louvre, die Champs Elysée, der Arc de Triumph, Käse, Wein, Pains au chocolat... All das hatte ich im Kopf als ich am Bahnhof in Knesebeck stand und mein Ticket nach Hannover ziehen wollte. Doch was war das?! Der Automat sagt "Anschluss gefährdet". Scheiße. Was nun? Ich konnte doch unmöglich meinen Zug in Hannover verpassen, denn sonst würde der TGV in Mannheim ohne mich nach Paris fahren. Also kein Ticket. Stattdessen den Polo geschnappt, kurz mit den Eltern telefoniert und ab nach Gifhorn.
Durch einen Schleier aus Paniktränen sah ich nun die Landschaft an mir vorbeisausen. Quietschende Reifen, Hupen. Das Handy klingelte. Mama. Kurzer Streit, hysterisches Anschreien. Nach gefühltem zwanzig mal Verfahren endlich am Bahnhof.
Ich stellte das Auto auf einen Parkplatz irgendwo im Busch, drosch auf den blöden Automaten ein (scheiß Touchscreen) und sprang in den schon wartenden Zug.
Im Zug Erleichterung. Doch dann der Gedanke: "Hab ich den Kofferraum abgeschlossen??" (keine Zentralverriegelung)

Nach ein paar schönen Tagen in Paris stieg ich heute morgen in den TGV am Bahnhof Gare de l'Est und musste auch nicht lange warten: kurz hinter Saarbrücken kam die Durchsage. "Aufgrund einer Signalstörung haben wir nun eine Verspätung von 14 Minuten." Ein Blick auf die Verbindung. In Mannheim blieben mir ganze 2 Minuten zum Umsteigen. Na gut, dann wohl eher kein Brötchen auf die Faust, sondern ein kurzer Sprint mit meinem 20-Kilo-Koffer von Gleis 8 zu Gleis 3.

Ich erreichte Gifhorn mit dem Magen in den Kniekelen und einer Laune auf dem Tiefstpunkt. Doch: Hurra!  Der Kofferraum des Polos war tatsächlich doch abgeschlossen. Also umsonst vor dem Einschlafen mit Visionen aus nackten Hangover-Chinesen gequält. Eindeutig der Höhepunkt des Tages.
Und der Entschluss stand fest: ICH WERDE NIIIIE WIEDER BAHN FAHREN!

Übermorgen gehts nach Berlin. Zweimal umsteigen... YAY!!

Freitag, 15. Juni 2012

Nachabizeit




Es gibt wohl nichts schöneres als die Nachabizeit. Denn: man muss nicht mehr in die Schule. Jedes mal wenn ich Schulkinder sehe denke ich: "Hää?! was machen die denn da?" Und dann fällt es mir ein und mit einem selbstzufriedenen Lächeln denke ich: "Aahhh... die Loser müssen ja noch zur Schule." Während viiiele, viele Kinder also brav jeden morgen um sechs aufstehen, von Mami ihr Pausenbrot geschmiert kriegen und sich von langweiligen Lehrern vollsülzen lassen, schau ich mir die Welt an. Oder vielmehr erstmal Deutschland.
Es fing an mit Köln. Ich quartierte mich in der selben Jugendherberge ein, in der ich in der Neunten auf Klassenfahrt war und besuchte einen Praktikumsworkshop beim RTL. Bevor einer fragt NEIN ich habe nicht bei "Mitten im Leben" mitgespielt, SONDERN gelernt wie man einen seriösen Fernsehbeitrag schneidet und vertont. Es gibt beim RTL nämlich einen riesen Unterschied zwischen Unterhaltungsschiene und Informationsschiene!
Nach erfolgreicher Produktion eines solchen Beitrags gings weiter nach Stuttgart, beziehungsweise Esslingen, ein wunderschönes Städtchen mit Weinbergen, kleinen Gassen und alten Fachwerkhäusern.
Und wo man schonmal im Süden ist, kann man doch gleich auch noch München mitnehmen. Eine riesen Stadt, die ich mir schon immer mal genauer anschaun wollte. Super dachte ich, vielleicht laufe ich ja sogar einem VIP über den Weg oder finde endlich ein Abiballkleid. Leider machte mir hier ein katholischer Feiertag namens "Frohnleichnam", den es in Niedersachsen definitiv nicht gibt, einen Strich durch die Rechnung, denn wenn die Bayern "Happy Kadaver" feiern, ist da nix mit groß shoppen.
Dann vielleicht in Bremen?! Ich liiebe diese Stadt dank zahlreicher Kindheitserinnerungen und siehe da: im Steintor fand ich mein Kleid. Es ist wunder, wunderschön und hat eine undefinierbare Farbe, die ich als taupe bezeichnen würde, nur leider sagt das keinem was und da ich keine Fotos gemacht habe und es noch geändert werden muss, bleibt es wohl für alle bis zum 27. Juni nur ein Illusion.
Nach 10 Tagen auf Reisen kam ich völlig fertig aber reich an schönen Erinnerungen und mit dem Gedanken bald ein tolles Kleid zu besitzen nach Hause und war fest davon überzeugt, dass ich sobald nicht mehr Zug fahren würde. Denn die Bahn hat ganz ehrlich einen scheiß Service!
Schade nur, dass für morgen ein Ticket nach Paris gebucht ist. 7 Stunden Zug fahren... da geht mir doch direkt das Herz auf. Welch schöne Nachabizeit ;)

Dienstag, 1. Mai 2012

Abitur

Das Abitur. Wie eine unüberwindbare Mauer baut sich der Berg aus Ordnern, Zusammenfassungen und Lernzetteln vor einem auf und scheint einen erdrücken zu wollen. Verweiflung, Heulanfälle, ohne Schoki geht gar nichts. Steckt man jedoch mitten drin, merkt man, so schlimm ist es ja eigentlich nicht...
Die erste Klausur war schrecklich. Vollkommen alleingelassen saß ich zu Hause und steigerte mich regelrecht in die schlimmsten Fantasien, was alles schief gehen könnte. Ich kontrollierte dreimal den Ölstand beim Polo und nahm letzendlich doch den Corsa, um nicht liegen zu bleiben. Ich wachte in der Nacht alle halbe Stunde auf, um zu kontrollieren, ob der Wecker auch tatsächlich richtig gestellt war. Ich stand viel zu früh auf, um auch ja noch genug Zeit zu haben, mir ein gut ausgestattetes Care-Package zu schnüren. Und kam natürlich viel zu früh in den Raum gestürmt, wo auch schon alle saßen und sich gegenseitig noch mehr in Panik versetzten. Dann kam der Schulleiter mit den Vorschlägen. Der Puls rast. Man las sich die Texte durch, versuchte sich zu entscheiden. Man gab einen Vorschlag ab ("hab ich mich auch wirklich richtig entschieden??"). Man fängt an zu arbeiten und irgendwann... vergisst man, dass man eigentlich im Abitur sitzt. Es ist wirklich einfach nur eine Klausur, wie man sie schon oft geschrieben hat. Dass die Aufgaben nicht der Lehrer gestellt hat und dass in ganz Niedersachsen alle diese Klausur schreiben und dass sie unheimlich wichtig für meinen Schnitt, meine Studienzulassung, meine Zukunft ist... blendet man vollkommen aus.
Inzwischen habe ich nur noch eine schriftliche Klausur vor mir und es geht mir doch ziemlich gut. Ich habe mich seit bestimmt zwei Wochen nicht mehr geschminkt, renne nur noch in der Trainigshose herum und esse Tonnen von Nüssen und Schokolade - eine tötliche Mischung (für Panik und meine Bikini-Figur...). Und all das darf ich auch wirklich einfach tun, weil ich ja Abitur schreibe. Zur Klausur komme ich wie oben beschrieben ungeschminkt und mit einem Kissen unterm Arm (nach sechs Stunden auf Holzstühlen tut der Hintern ziemlich weh), sodass es wohl eher so aussieht, als wolle ich zu einer Pyjama-Party und nicht meine Zukunft entscheiden.
Eine etwas andere Sache ist da jedoch die mündliche Prüfung, die ja auch noch ansteht... Aber darüber werde ich mir jetzt erstmal nicht den Kopf zerbrechen, sondern gelassen in meine letzte Prüfung gehen und die panikfreie Zeit noch etwas genießen... Hilfe!